Beruhigungsmittel und ihre Wirkung auf die menschliche Angst

Angst und Beruhigung

Jeder Mensch erfährt hin und wieder gewisse Unruhezustände. Diese können natürlich mehrere Ursachen haben. Jemand, der bald zum ersten Mal heiratet, wird mit Sicherheit ein wenig nervös, ja unruhig sein – aber auf die schöne Art. Das letzte wäre wohl, einen solch glücklich beunruhigten Menschen mit Beruhigungsmitteln behandeln zu wollen. Das wird erst nötig, wenn der betreffende Mensch eine Unruhe verspürt, die er erstens nicht genau lokalisieren kann und zweitens wenn er diese Unruhe als störend empfindet.

Nun gibt es unterschiedliche Charaktere unter den Menschen. Die einen sind von Grund auf eher ruhig und die anderen neigen dazu, rasch unruhig zu werden oder es generell zu sein. Allerdings haben sich diese Menschen meistens schon an diesen Zustand gewöhnt, der an und für sich ja kein Leiden ist. Es sind nicht alle Menschen gleich von psychischer Konstitution – und das müssen sie auch nicht. Problematisch wird es erst, wenn eine gewisse Unruhe schlagartig aufkommt und dann in ihrer Heftigkeit so enorm werden kann, dass der Betroffene seinen Alltag nicht mehr ´normal´ meistern kann. An dieser Stelle setzen Beruhigungsmittel an.

Beruhigungsmittel allgemein

Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass in fast allen Leistungsgesellschaften der Druck auf das Individuum und seine geforderte Leistung kontinuierlich steigt und das in den letzten Jahrzehnten über ein verträgliches – sprich gesundes – Maß hinaus. Aber einfach so aus der Leistungsgesellschafft aussteigen – und sei es nur phasenweise – ist kaum möglich. Deshalb ist auch die Vergabe von rezeptpflichtigen – und nebenbei bemerkt äußerst potenten – Beruhigungsmittel exorbitant angestiegen.

Man muss es leider so sagen: viele Schulmediziner gehen inflationär mit ihrem Rezeptblock um, wenn es um Beruhigungsmittel geht, die die Menschen zwar zur Teilnahme an der Leistungsgesellschaft trotz chronischer Unruhe oder schubweiser Überempfindlichkeit weiterhin befähigen, die Ursachen dieser Unruhe aber keineswegs therapieren. Deshalb sei hier vorab eindringlich zu einem besonnenem Umgang mit Beruhigungsmittel – ob mit oder ohne Rezept erhältlich – hingewiesen. Den Umgang mit ihnen empfinden viele Menschen als unbedenklich – weil es ja schließlich alle so machen. Dem ist aber keinesfalls so.

Wirkungsweise von Beruhigungstabletten

1. Benzodiazepine

Die stärkste Gruppe pharmazeutischer Beruhigungsmittel, welche nicht für schwerwiegende psychiatrische Leiden eingesetzt werden, ist die der Benzodiazepine. Hierzu gehören die Valiumderivate, Xanax, Lexotanil, Tavor oder Librium. Diese wirken im zentralen Nervensystem, indem sie es – vereinfacht gesagt – einfach herunter fahren. Der Mensch funktioniert dann zwar noch – viel mehr aber auch nicht. Alle feinen Sinne sind so weit zurückgesetzt, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden.

Der gewünschte Effekt bei Betroffenen von Unruheerscheinungen ist, dass sie diese einfach nicht mehr wahrnehmen können. Allerdings sind diese Beruhigungsmittel kaum noch für den Alltag zu gebrauchen. Das Führen eines Kraftfahrzeuges ist unter ihrem Einfluss strafbar und auch der Emotionalität und der Sozialisation sind diese Mittel nicht gerade förderlich. Zu Recht sind Benzodiazepine rezeptpflichtig (STUDIE), wobei, wie gesagt, mit der Verschreibung immer lockerer umgegangen wird. Nicht zuletzt sollte man noch wissen, dass diese Wirkstoffgruppe extrem suchterzeugend ist – sowohl psychisch wie körperlich.

2. Neuroleptika

Auch diese Wirkstoffgruppe ist äußerst potent und wird in der Psychiatrie bei Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Schizophrenie eingesetzt. Etwas schwächer dosiert wirken sie gegen akute Angstzustände oder bei Depressionen. Der Wirkmechanismus beruht darauf, dass der Neurotransmitter Dopamin (http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/dopamin/2959) künstlich gesenkt wird. So greift auch diese Wirkstoffgruppe massiv in die Tätigkeiten des Gehirns ein und auch diese Mittel sind rezeptpflichtig. Auch Betablocker und Antidepressiva sind potente, chemisch hergestellte Mittel, die eigentlich nur im klinisch, psychotischen Extremfall Anwendung finden sollten.

3. Natürliche, rezeptfreie Beruhigungsmittel

Jeder kennt die beruhigende Wirkung eines Glases Bier, wenn die Arbeit getan ist. Das liegt nicht nur an dem enthaltenen Alkohol, sondern vor allem an dem Hopfen, mit welchem Bier gebraut wird. Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken beruhigend auf das gesamte Nervensystem – allerdings bei weitem nicht so eklatant wie die oben beschriebenen sedierenden Stoffe. Daneben sind die beruhigenden Eigenschaften von Melisse, Baldrian und Johanniskraut bekannt und erprobt. In Apotheken finden sich eine ganze Reihe von Präparaten, die entweder eine Kombination aus mehreren dieser Inhaltsstoffe aufweisen oder als Solo-Präparat erhältlich sind – natürlich ohne Rezept (http://www.rezeptfreies.com/beruhigungsmittel/).

4. Homöopathie

Auch homöopathische Methoden können zur Beruhigung eingesetzt werden – wenn auch eher langfristig als bei einem akuten Unruheschub. Dabei werden zumeist die Wirkstoffe Acidum phosphoricum, Arnica oder Argentum nitricum verwendet. Auch eine Bachblütentherapie mit Essenzen von Ulme, Olive oder Eiche kann mittel- und langfristig bei Unruhezuständen helfen – rezeptfrei versteht sich.

Fazit

Unruhezustände sind meistens ein Symptom von Angst – wobei Angst kein sehr definierter Begriff ist. Angst kann sehr konkret oder sehr diffus sein. Man kann zum Beispiel sehr konkrete Angst vor Spinnen haben und diese einfach mir nichts dir nichts mittels eines Beruhigungsmittels loszuwerden ist nur möglich, wenn ein sehr potentes Mittel ad hoc intravenös verabreicht würde.

Die oft beschriebene Flugangst hingegen ist eher ein diffuser Angstzustand und kann im Vorfeld schon durch die Verabreichung mittlerer bis schwacher Beruhigungsmittel, die durchaus auch rezeptfrei sein können, so weit kontrolliert werden, dass ein Flug ohne weiteres möglich ist. Auch der chronische Stress im Alltag – Hauptgrund moderner Leistungsträger überhaupt zu Beruhigungsmitteln zu greifen – ist eigentlich ein Angstzustand – der Angst, der geforderten Leistung nicht entsprechen zu können.

Das mit Beruhigungsmitteln in den Griff kriegen zu wollen, ist nicht nur nicht gesund und deshalb fahrlässig, sondern führt langfristig nur zu noch größeren Problemen – zum Beispiel einer Sucht oder dem Verlust der Lebenslust. Man muss sich letztendlich seinen Ängsten stellen – und zwar nüchtern.

Bei einer Sucht oder Verdacht auf Sucht sollte unbedingt Hilfe in Anspruch genommen werden! Die gibt es beispielsweise hier: http://www.suchthilfe.de/

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